Artenreiche Vogelwelt im renaturierten Riediker/ Rälliker Ried

Purpurreiher und Kiebitz

Als vor etwa sechs Jahren die überdüngten Wiesen am oberen Seeende abgetragen wurden und eine kahle Fläche mit einigen Wassergruben zurückblieb, empfanden selbst Naturfreunde einiges Unbehagen, Kiebitz, Regenpfeifern und Wasserläufern indessen gefiel es. Bereits während der Bauarbeiten im Juni stellten sie sich ein und bis zum September zählte man dort insgesamt acht Arten dieser Gruppe und sogar ein Eisvogel hatte sich schon sehen lassen.

Im folgenden Jahr, als sich lockerer Pflanzenwuchs entwickelte und Blumen blühten, schwanden die Bedenken der interessierten Besucher. Ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten waren insgesamt 77 Vogelarten festgestellt worden. Zwei selten gewordene Arten, Kiebitz und Flussregenpfeifer, hatten sogar gebrütet. Der Grossteil waren Gastvögel : Durchzügler auf dem Weg zu ihren Brutgebieten oder Winterquartieren, bleibende Wintergäste, Nahrungsgäste aus der Umgebung. Unter ihnen waren Purpurreiher, Silberreiher, Schwarzstorch, acht Enten- und 15 Watvogelarten. Ausserdem viele Singvögel, von denen nur Pirol, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Steinschmätzer, Baumpieper, Schafstelze und Neuntöter genannt seien.

Mit der Zeit ist nun die Vegetation dichter und höher geworden. Das hat zur Folge, dass zum Beispiel der Regenpfeifer nur noch gelegentlich als Gast zu sehen ist. Anderen Arten ist gerade diese Entwicklung willkommen und neben Stockenten und Blässhühnern nistet jetzt auch der Zwergtaucher. Einige seltenere Entenarten halten sich nach Einzug des Frühlings noch lange, bis in den Mai hinein im Gebiet auf und man kann hoffen, dass sie einmal ganz heimisch werden und für Nachwuchs sorgen. Auch bei Wasserralle und Tüpfelsumpfhuhn ist dies nicht ganz ausgeschlossen.

Gastvögel nutzen die renaturierten Flächen am häufigsten. Für die Zugvögel aus dem Norden ist das Gebiet sehr wichtig, denn für sie wird es immer schwieriger, geeignete Rast- und Nahrungsplätze zu finden.

Insgesamt wurden bisher 158 Vogelarten beobachtet. Die biologische Aufwertung des Riediker/ Rälliker Rieds kann daher als sehr erfolgreich gelten. Allerdings sind Pflegemassnahmen unerlässlich, da sonst ein Auenwald entstehen würde, der sich für diese Vogelarten nicht mehr als Lebensraum eignen würde. Deshalb müssen Bäume und Sträucher an der Ausbreitung gehindert werden. Einige Teile des Areals werden hin und wieder umgebrochen, so dass vorübergehend kleine vegetationsfreie Flächen entstehen.

(ca. 2003, O. Rohweder)